Sonys Zockerei mit Kundendaten: Jetzt redet die Politik mit

04. Mai 2011
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Sonys Zockerei mit Kundendaten: Jetzt redet die Politik mit

Sony steckt in der Krise. Ein Weltkonzern, bekannt für Entertainment und Gaming, hat den Zorn von Millionen Usern auf sich gezogen. Schon fast reuevoll verbeugten sich Sonys Manager auf der Pressekonferenz, die am Sonntag aufgrund des Datendiebstahls stattgefunden hatte - man gelobte Besserung, um nur einen Tag später sämtliche Versprechungen zur Farce zu machen, wir berichteten. Mit einer schlichten Mail wurde versucht, Nutzer zu beruhigen - als große Geste wurde ein Gratis-Angebot gemacht. Dass aber in dieser Mail neue Datensünden genannt wurden, hat nicht nur das Gros der Nutzer wieder missmutig gestimmt, sondern nun auch Politiker auf den Plan gerufen, die größere IT-Sicherheit bei Firmen fordern.

Dabei geht es weniger um die Sache an sich, die natürlich schlimm genug ist, aber vielmehr kritisieren Nutzer wie Experten Sonys Kommunikationsstrategie: Dem Konzern schien es wichtiger, erst mal mit PR-Beratern zu klären, wie Sony sich selbst am besten darstellen kann. Sony selbst begründet fadenscheinig mit einem "unglücklichen Timing" - keine befriedigende Aussage für all die Millionen User, deren sensible Daten angezapft wurden. Der Konzern und seine Berater haben sich verzockt. Der Unmut der User ist auf ps3-talk.de nachzuvollziehen, wo beispielsweise zu lesen ist: "So ganz langsam sollten sich die Damen und Herren mal Gedanken machen, wie sie die ganze Geschichte weiter den Nutzern verkaufen wollen!" - spürbare Wut.

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) meldet sich zu Wort und kritisiert, dass der Konzern seine Kunden alleine gelassen hätte. Man habe eine Stellungnahme von Sony erbeten, die es bislang nicht gäbe, und Aigner kritisiert konkret: "Weder gibt es eine Hotline, an die Kunden sich wenden können, noch erfährt der Nutzer auf den Webseiten des Konzerns schnell und verständlich, wie er sich als Betroffener verhalten soll". Und tatsächlich: Mit der Aussage, man solle seine Abbuchungen künftig genauer prüfen, ist wenig geholfen.

IT-Sicherheitsexperte Holger Heimann von it.sec gab dem Handelsblatt ein Interview, in dem er dem Konzern Schlamperei vorwirft, erklärt, eine sichere IT bräuchte Zeit und die Informationspolitik sei "nicht besonders vertrauenserweckend". Über bisherige Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf die Kreditkartendaten habe sich Sony immer mal wieder unterschiedlich geäußert, dabei müsse man "gerade bei sensiblen Daten [...] schnell zu eindeutigen Aussagen in der Lage sein"; ein Punkt, der das Vertrauen der Kunden sicher gestärkt hätte. Sony habe es im jüngsten Fall, dem Datendiebstahl bei SOE, noch nicht geschafft, darüber aufzuklären, ob die Kreditkartendaten verschlüsselt gewesen seien. Zu den Sicherheitstechnologien, die Sony einzuführen gedenkt, sagt Heimann: "Das, was eingeführt wird, sollte eigentlich Standard sein." Es könnten noch Monate vergehen, bis diese Technologien greifen würden.

Sony PSN

Bild: Sony PSN

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