Bye, bye Blackberry ...?!? RIM in der Krise

10. Mai 2011
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Bye, bye Blackberry ...?!? RIM in der Krise

Blackberry: Einst Begriff für die Revolution am Handymarkt - heute in der Krise. Während 1999 mit dem ersten Blackberry etwas völlig Neues die Branche durcheinanderwirbelte, konnte sich RIM als Hersteller, nein, als Nummer Eins für Business-Smartphones etablieren. Heute hingegen hat der Kanadier ein ähnliches Problem wie der finnische Kollege Nokia: Die Konkurrenz ist zu schnell innovativ geworden, hat hauseigene Geräte überholt und nun liegen beide hinten an. Während Nokia einen Deal mit Microsoft einging, um den Versuch der Rettung zu starten, muss RIM momentan zusehen, wie "sein" Bereich, der Business-Sektor, nach und nach von Apple in Beschlag genommen wird.

In dieser Woche fand die Hausmesse "Blackberry World" statt, in der RIM zwei neue Handymodelle vorstellte - mit selbstbeweihräuchernder Wortwahl, als gäbe es nichts, was den ehemaligen Vorzeigekonzern erschüttern könnte: Als "außerordentliche Errungenschaft", als "wegweisendes Produkt" wurde das Blackberry Bold 9900 von RIM vorgestellt; gleichzeitig erklärte man, das Unternehmen sei "besser aufgestellt als je zuvor". Dass der Aktienkurs von RIM allerdings am 29. April aufgrund der nach unten korrigierten, mageren Quartalsergebnisse um 14 Prozent einbrach, darüber schwieg man. Und auch darüber, dass selbiger in dieser Woche weiter gesunken ist.

Investoren bezweifeln nun die einst so feste Unternehmensstrategie der beiden RIM-Chefs Lazaridis und Balsillie, denn Innovationen wurden verschlafen, von einer Krise wird nichts erwähnt. Beide halten rund fünf Prozent der Unternehmensanteile und wollen auch in Zukunft auf Blackberry als Droge für Unternehmer setzen, die mit innovativen Lösungen ihr Smartphone nicht aus der Hand legen wollen. Dass aktuelle Geräte nicht zu diesem Boom führen wollen, zeigt eine Nielsen-Umfrage: Nur 47 Prozent aktueller Blackberry-User wollen sich wieder für ein RIM-Gerät entscheiden. Klingt ganz ordentlich, aber nur, solange man Apples Quote nicht kennt: iPhone-Nutzer wollen sich zu 80 Prozent wieder ein iPhone holen.

Die Rettung für RIM wären niedrigere Preise und in dem Zusammenhang geringere Unternehmenskosten, um die Gewinne stabil zu halten. So sieht es zumindest Michael Mace, der in den oberen Etagen von Apple und Palm Erfahrung in der Branche sammelte. Die Dynamik in der Technologiebranche sorge laut Mace dafür, dass Nutzer und Entwickler, entscheidende Klientel, ähnlich wie Tauben immer in Gruppen blieben; und ist Krisenstimmung spürbar, verlassen erste Gruppenmitglieder ihr gewohntes Umfeld, um zur Konkurrenz zu wechseln - der Rest würde nachziehen. RIM ist nicht mehr sexy, Apps wurden unterschätzt und seit dem iPhone wächst dem Kanadier die Konkurrenz über den Kopf - Android verstärkte diese Situation.

Mit dem PlayBook versuchte der Konzern, seine Schäfchen wieder ins Trockene zu bringen. Dass das Tablet nur in Kombination mit dem BlackBerry Sinn macht, führte in der Branche allerdings nur zu einer Reaktion: Kopfschütteln. Noch mehr Kopfschütteln verursachen allerdings die Aussagen der Unternehmenschefs: "RIM-CEO redet weiter wirres Zeug", betitelte Businessinsider jüngst einen Beitrag, in dem der RIM-Chef mit der Äußerung zitiert wird, es reiche, die Aktienkurse des Unternehmens einmal jährlich zu prüfen - Gewinne seien doch selbstverständlich. Als Lazaridis kürzlich von der BBC interviewt und gefragt wurde, was man zu tun gedenke, denn die Regierungen in Indien und im Nahen Osten wollten die BlackBerry-Geräte nicht zulassen, platzte der RIM-Chef: "Das ist nicht fair. Wir haben kein Sicherheitsproblem. Wir werden nur ausgegrenzt, weil wir rund um die Welt so erfolgreich sind."

Noch immer sieht sich das Unternehmen beziehungsweise die Führungsspitze als zukunftssicher und wegweisend. Dass Veränderungen nötig sind, scheint nur langsam in die Köpfe beider CEOs zu gelangen. Dass Microsoft-Chef Steve Ballmer zur RIM-Hausmesse auftauchte, war ein Zeichen davon. Ähnlich wie bei Nokia geht nun auch RIM Wege mit Microsoft: Such- und Kartendienst des Redmonders werden auf den Blackberrys zum Standard. Alles und nichts sagend fügte Ballmer hinzu: "Wir werden weiter vorzugsweise in die Blackberry-Plattform investieren." Zusammenfassend: Microsoft als wenig erfolgreicher Hersteller im Mobilmarkt baut strategische Allianzen zum Finnen Nokia und zum Kanadier RIM als ebenfalls wenig erfolgreiche Hersteller auf. Ob Minus und Minus letztlich Plus ergeben, wird sich zeigen müssen - Kritiker zweifeln.

BlackBerry Bold 9900

Bild: BlackBerry Bold 9900

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